LOTTO KING KARL

Foto: Torsten Sörup
© Torsten Sorup

Roten Teppich? Brauch er nicht! Lottos Bühne hat Grasbüschel. Ob Volksparkstadion oder Stadtpark – wenn Lotto King Karl zum Mikrofon greift, hat Hamburg eine Stimme. Lotto ist Kiez und Club, Open-Air und geschlossener Vollzug. Lotto singt vor Familien und Knackis. Knapp 1,9 Millionen Einwohner hat Hamburg, und er ist ihr größter gemeinsamer Nenner. „Hamburg, meine Perle“ ist Lottos Hymne an die Heimat. Und alle singen mit, jede Strophe textsicher. Nimm das, du wunderschöne Stadt!

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Musiker, Moderator, Geschichtenerzähler

Die erste Lotto-Zahl lautet 1995. Damals erscheint seine erste Single „Ich hab’ den Jackpot“. Die Geschichte mit dem Lottogewinn, angeblich 42 Mio. Mark, ist dumm Tüch (Hochdeutsch: fein ausgedacht). Aber Lottos Legende nimmt ihren Lauf. Ein Jahr später folgt das Debütalbum „Weiß Bescheid“.

Lotto hat Glück. Nicht im Spiel, aber in der Liebe. Er liebt die Stadt, und die Stadt liebt ihn. Aus Gerrit Heesemann wird Lotto King Karl, der Große. Er moderiert Radio-Shows, spielt die Hauptrolle in der Trash-Komödie „Der letzte Lude“ – später als einer der schlechtesten Filme aller Zeiten gekürt. Muss man ja auch erst mal schaffen!

Von 2005 bis 2019 ist Lotto sagenhafte 14 Jahre lang auf Stadion-Tournee. Als Sprecher bei den Heimspielen des HSV singt er vor jedem Anpfiff seine Hymne. Seine Ode an die Hansestadt, die es heute längst in einer Version für Orgel und einer von Heino gibt.

In einem früheren Leben war Lotto mal Gabelstaplerfahrer. Heute stapelt er immer noch, und zwar tief. Lotto ist der Star zum Anfassen. Er ist Musiker, Moderator, Geschichtenerzähler. Hat mehr als 3.500 Radiospots produziert. Und ein gutes Dutzend eigener Platten. Immer im schönen, breiten Slang, der Lotto sein markantes Doppel-D verleiht: Loddo.

Lotto hat das Talent, Alltagsbeobachtungen in mitreißende Songs zu verwandeln – mal mit Witz, mal mit Wehmut, immer mit Wahrhaftigkeit. Ob auf Platte oder Bühne: Seine Lieder sind Geschichten aus dem Leben, erzählt mit einem Augenzwinkern und einem tiefen Verständnis für die Menschen da draußen.

Der Hamburg Dream Boy

Lotto King Karl lebt in Hamburg-Winterhude. Hier ist er schon aufgewachsen und hat, mit Ach und Krach, Abitur gemacht (Note 3,1). Hier ist seine Hood. Sein Basislager für den musikalischen Aufstieg.

Mit seinen Barmbek Dream Boys tourt Lotto in einer Tour durch seine Stadt. „Rock Over Hamburg Tour“ nennt er das. Von Harburg bis Fuhlsbüttel. Manchmal auch Stade oder Quickborn. Wichtig: Immer nah dran an den Menschen.

Die Bürgermeister kommen und gehen. Lotto bleibt. „Du bist mein Zuhaus‘, Du bist mein Leben“, singt Lotto. Er ist der Mann von der Straße. Fährt mit beim berühmtesten Radrennen der Stadt (1:53:52 h). Zieht einst fürs Flanieren auf dem Jungfernstieg seinem Uralt-Polo die dicksten Puschen an. Und mag es bis heute PS-stark. Nicht mehr zeitgemäß? Egal, Lottos Motto: „Das Leben ist rund.“

Und überhaupt: Lotto kann auch politisch voll korrekt auf der Straße – wenn er sich gegen Rechtsextremismus und Nazis stark macht.

Lotto war und ist ein Freigeist. Seine Platten und die anderer Hamburger Musiker vertreibt er über das eigene Indie-Label Northcoast Records. Gerrit Heesemann gehört zu „Hamburch“ wie die Elbe, der Kiez und der HSV. 50 Mal ist er schon beim Stadtpark-Open-Air aufgetreten. Singt „Hamburg, meine Perle“ beim Hafengeburtstag und bei Trauerfeiern im Michel. Wo er ist, ist Norden. Lotto ist so etwas wie die Kompassnadel seiner Stadt.